Erinnern, Mut zeigen, Verantwortung übernehmen – der 9. Jahrgang im Bendlerblock

Im Rahmen des 35jährigen Schuljubiläums des Sally-Bein-Gymnasiums Beelitz besuchte der 9. Jahrgang die Gedenkstätte „Stille Helden“ im Berliner Bendlerblock. Der historische Ort ist eng mit dem Widerstand gegen den Nationalsozialismus verbunden: Nach dem gescheiterten Attentat auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 wurden hier Claus Schenk Graf von Stauffenberg und weitere Mitglieder des militärischen Widerstands noch in derselben Nacht erschossen.

Im Mittelpunkt des Besuchs standen jedoch nicht die bekannten Widerstandskämpfer, sondern Menschen aus der ganz normalen Bevölkerung. Die Gedenkstätte erinnert an sogenannte „Stille Helden“, also Menschen, die keiner großen Widerstandsgruppe angehörten, sondern im privaten Umfeld Verfolgten halfen. Sie versteckten jüdische Menschen, versorgten sie mit Lebensmitteln oder unterstützten sie bei der Flucht. Die Schüler*innen lernten dabei sowohl die Geschichten der Helfer*innen als auch die Schicksale der Menschen kennen, die auf ihre Hilfe angewiesen waren. Die Gedenkstätte legt besonderen Wert darauf, gerade Geschichten mit einem glücklichen Ausgang zu erzählen. Gleichzeitig wurde den Schüler*innen aber deutlich gemacht, dass hinter jedem dieser scheinbaren „Happy Ends“ großes Leid stand: Jede der vorgestellten Personen beziehungsweise Familien hatte mindestens eine*n Angehörige*n durch den Holocaust verloren.

Besonders eindrucksvoll war für alle Zuhörenden die Geschichte von Maria Gräfin von Maltzan. Die aus einer adligen Familie stammende Tierärztin versteckte ab 1942 ihren jüdischen Partner Hans Hirschel in ihrer Berliner Wohnung. Als die Gestapo ihre Wohnung durchsuchte, konnte Hirschel sich in einem präparierten Klappbett verstecken und blieb unentdeckt. Maltzan nahm später auch noch weitere Verfolgte auf, organisierte Lebensmittel und Medikamente und rettete gemeinsam mit einem Helferkreis der schwedischen Gemeinde über 200 jüdische Babys und Kleinkinder. 

Die Schüler*innen wurden schließlich mit dem Gedanken entlassen, ob es sein könnte, dass auch wir eines Tages wieder in eine Situation geraten, in der Zivilcourage, Menschlichkeit und die Bereitschaft, zu helfen, in besonderem Maße gefragt sind. Der Besuch machte deutlich, dass Geschichte nicht nur aus vergangenen Ereignissen besteht, sondern auch anregen kann, über unsere eigene Verantwortung und unser Handeln nachzudenken. 

Der Besuch war für den 9. Jahrgang ein emotionaler und beeindruckender Tag. Er machte deutlich, dass Mut und Menschlichkeit keine Frage des Alters oder einer besonderen gesellschaftlichen Stellung sind. Die Geschichten der „Stillen Helden“ zeigen, dass jeder Mensch sich entscheiden kann, hinzusehen, zu helfen und Verantwortung zu übernehmen und damit im entscheidenden Moment selbst zum Helden werden. 

 

(Katja Buttler, Fachlehrerin Politische Bildung)