Sally Bein

Als junger Lehrer übernahm Sally Bein die Leitung der Israelitischen Erziehungsanstalt für geistig behinderte Kinder in Beelitz. In seiner Obhut befanden sich damals 70 Kinder und Jugendliche, die in dem Heim trotz ihrer teils schweren Behinderungen liebevolle Betreuung, Fürsorge und vor allem Anerkennung erhielten. Die religiöse Erziehung, auf die besonders Wert gelegt wurde, umfasste die Fächer Religion, Biblische Geschichte und Hebräisch, die in ihrem Verbund mit dem jüdisch geführten Heim das Judentum ausprägen und stärken sollten. Gemäß ihrer psychischen und physischen Fähigkeiten wurden die Kinder in bestimmte Klassen eingeteilt. Das Alter der Kinder spielte hierbei keine Rolle, da diese nach ihrem jeweiligen Leistungsstand beurteilt wurden. Durch kleine Klassen konnte jeder Sprössling individuell gefördert werden. Viele der Heimkinder konnten durch die pädagogischen Fähigkeiten von Sally Bein und seinen Mitarbeitern aus der "Sonderschule" entlassen werden, entweder eine Förderschule besuchen oder aber einen handwerklichen Beruf erlernen. Damit verhalf Sally Bein durch seine Arbeit vielen vorher schwerst behinderten Kindern zu einem weitestgehend normalen Leben. Das pädagogische Wirken Sally Beins und seiner Mitarbeiter war somit zur damaligen Zeit in Deutschland einzigartig. Nach 1933 begann sich das Leben der Heimbewohner gravierend zu verändern.

 

Durch die Hetze der Nationalsozialisten, die eine Schließung der Anstalt anstrebten, war es Bein bald kaum noch möglich, den Betrieb derselben uneingeschränkt weiterzuführen. Er konnte zwar mit Unterstützung einiger Beelitzer Bürgerinnen das Ende etwas hinauszögern, aber letztendlich fielen die Bewohner doch dem NS-Regime zum Opfer. Der Lebensweg von Sally Bein und seinen Schützlingen endete in einem der vielen Vernichtungslager.

 

Lebenslauf